Viele Fragen erreichen mich zur Patientenverfügung; die Verunsicherung ist groß. Hier sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Fragen zur Patientenverfügung

Viele Bürger haben Sorge, ob ihre Patientenverfügung im Fall einer Infektion mit dem COVID19 Virus mit nicht auszuschließendem schweren Verlauf noch aktuell ist und was im Hinblick auf eine Intubation gilt.

Aus aktuellem Anlass daher ein Lexport Blog Extra.


Anwendungsbereich

Der Großteil aller Patientenverfügungen enthält Verfügungen für den Fall eines dauernden Wachkomas, einer progredierenden Demenz, einer unheilbaren Erkrankung, die zum Tode führt oder einem bereits begonnenen Sterbeprozess.

Das COVID19 Virus ist aber keine Erkrankung, die in jedem Fall zum Tode führt.

Hinzu kommt, dass die Patientenverfügung erst dann greift, wenn Sie sich in einem Zustand befinden, in dem Sie nicht mehr einwilligungsfähig sind.

Werden Sie stationär behandelt und erhalten Sauerstoff, dann sind Sie nicht in einem solchen Zustand.

Daher greift hier die Patientenverfügung noch gar nicht.

Anders kann sich die Sachlage darstellen, wenn Sie intubiert, also beatmet werden:

Hierbei erfolgt eine Sedierung und Analgesie, d.h. Sie bekommen ein Beruhigungs- und Schmerzmittel. Dann kann die Einwilligungsfähigkeit zumindest stark eingeschränkt sein.

Wenn dann absehbar sein sollte, dass der Tod trotz lebenserhaltender Maßnahmen unausweichlich ist, dann kommt die Patientenverfügung zum Tragen.

Haben Sie verfügt, dass Sie in diesem Fall keine lebensverlängernden Maßnahmen möchten, dann ist die Beatmung einzustellen.

Der Regelfall einer Patientenverfügung ist also der, dass Sie verfügen, keine Weiterbehandlung mehr zu wollen, wenn der Tod naht, um diesen Prozess nicht weiter hinaus zu zögern.

Wichtig:

Achten Sie darauf, dass Ihre Patientenverfügung auf dem neuesten Stand ist, also entsprechend der letzten hierzu ergangenen Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 14.11.2018.


Vorsorgevollmacht

Unabhängig vom Vorhandensein einer Patientenverfügung ist es wichtig, einen Vorsorgebevollmächtigten für die Bereiche Vermögenssorge und Personensorge zu haben.

Liegen Sie im Krankenhaus, ist es notwendig, dass eine Vertrauensperson Sie ausserhalb des Krankenhauses vertreten kann.

Viele meinen, dass dies ohne eigenes Tun ohnehin durch Ehepartner oder Kinder möglich wäre.

Es gibt aber kein automatisches Vertretungsrecht naher Angehöriger, das ist nur bei Minderjährigen durch Eltern oder Vormund der Fall.

Sie müssen also aktiv werden und jemandem Vorsorgevollmacht erteilen.

Dies ist um so wichtiger in der Situation einer schweren Erkrankung, wie bei einer Infizierung mit dem COVID19 Virus, falls Sie im Krankenhaus liegen und Ihre Angehörigen Auskunft von den Ärzten möchten.

Darüber hinaus muss mit den Ärzten auch ggf. über die Behandlung und  Weiterbehandlung gesprochen werden, auch und gerade im Zusammenhang mit einer Patientenverfügung.

Das Gesetz sieht ausdrücklich vor, dass im Zusammenhang mit einer Patientenverfügung eine Abstimmung zwischen den behandelnden Ärzten und dem Bevollmächtigten über Behandlungsmaßnahmen nach Maßgabe des Patientenwillens zu erfolgen hat.

Damit sich jemand um Ihre Angelegenheiten kümmert, ist es daher gerade in Corona-Zeiten wichtig, sich um eine Vorsorgevollmacht zu kümmern.

Das bedeutet:

Wenn Sie eine Patientenverfügung haben, aber keine Vorsorgevollmacht, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, eine solche zu verfassen.