Ein Testament muss vom Erblasser eigenhändig geschrieben und unterschrieben werden. Klingt einfach, aber ist es das auch?

Die Unterschrift unter Testamente

Testamente müssen, um formwirksam zu sein, gemäß § 2247 Abs. 1 BGB eigenhändig geschrieben und unterschrieben werden.

Eigenhändig bedeutet dabei handschriftlich, also nicht etwa mit einem Computer. Und das digitale Testament gibt es -noch- nicht.

Das Formerfordernis dient dem Beweis der Echtheit. Denn die menschliche Handschrift ist individuell, so dass sie ggf. mit Hilfe eines Graphologen identifizierbar ist. 

Das Erfordernis der Handschriftlichkeit gilt für den gesamten Wortlaut des Testaments.

Schließlich soll der Erblasser in der Erklärung angeben, zu welcher Zeit (Tag, Monat und Jahr) und an welchem Orte er sie niedergeschrieben hat (§ 2247 Abs. 2 BGB).


Wie muss das Testament unterschrieben werden? 

Es genügt jede Namensunterschrift, die erkennen lässt, dass die Erklärung der selbständige und endgültige Wille des Erklärenden ist.

Grundsätzlich soll die Unterschrift den Vor- und Zunamen des Erblassers enthalten, um die Urheberschaft zweifelsfrei feststellen zu können; es genügt jedoch auch die Unterschrift „in anderer Weise“ (§ 2247 III Satz 2 BGB), wenn dadurch die Urheberschaft und die Ernstlichkeit ebenso feststellbar sind.

Ausreichend ist mit dieser Maßgabe daher auch die Unterzeichnung mit Familienstellung, Pseudonym, Künstlername oder Spitz- bzw. Kosename. Eine Unterschrift mit „Eure Mutter“ ist also gültig.


Wo muss unterschrieben werden?

Die Unterzeichnung hat grundsätzlich am Schluss der Urkunde zu erfolgen, damit der räumliche Abschluss über den ernsthaften Willen des Erklärten Auskunft gibt und Zusätze, die möglicherweise noch gar nicht den Charakter des Endgültigen haben, ausschließt.

Es genügt, wenn die Unterschrift sich in einem solchen räumlichen Verhältnis und Zusammenhang mit dem Text befindet, dass sie die Erklärung nach der Verkehrsauffassung als abgeschlossen deckt.

Ist ein Blatt bis zum unteren Rand beschrieben, genügt auch die an den Rand oder über den Text gesetzte Unterschrift.

Wenn die Urkunde aus Vorder- und Rückseite besteht und nur die Vorderseite unterschrieben wurde, kann die Urkunde als Einheit betrachtetet werden, wenn sie in einem verschlossenen Umschlag enthalten ist, der mit der Aufschrift "Testament" versehen wurde.

Sachliche Zusätze unter der Unterschrift sind gesondert zu unterschreiben.


Müssen mehrere Seiten verbunden und gekennzeichnet werden?

Jede Seite des Testaments muss dann nicht unterschrieben werden, wenn sich bei einer Gesamtbetrachtung aller Seiten ein zusammen gehörender Text ergibt; Indiz hierfür sind eine fortlaufende Seitennummerierung oder eine feste Verbindung mehrerer Testamentsseiten z.B. mit einem Tacker; dann genügt die Unterschrift am Ende des Gesamttextes.

Die Unterschrift auf einem verschlossenen Briefumschlag, in dem das Testament liegt, ist dann ausreichend, wenn sie mit dem Testamentstext in einem so engen Zusammenhang steht, dass sie sich nach dem Willen des Erblassers als äußere Fortsetzung und Abschluss der im Briefumschlag liegenden Erklärung darstellt und der Unterschrift keine selbstständige Bedeutung zukommt.

Enthält der Umschlag neben der Unterschrift die Aufschrift „mein letzter Wille“, deutet dies auf eine solche Einheitlichkeit hin. 

Ist das Kuvert offen, genügt demnach die Unterschrift darauf nicht, da der Inhalt austauschbar ist und es somit an der Einheitlichkeit fehlt.


Wann muss das Testament unterschrieben werden?

Die Rechtsprechung lässt einen erheblichen Zeitraum zwischen der Niederschrift und der Unterschrift unter die letztwillige Verfügung zu, da eine Zeitvorgabe von Gesetzes wegen hierfür nicht vorgesehen ist. Aus diesem Grund kann die Unterschrift sogar schon vor der Niederlegung des endgültigen Testamentstextes erfolgen.


Ergänzungen/Änderungen

Häufig werden direkt im Text des Testamentes Ergänzungen, Streichungen und Änderungen vorgenommen.

Ergänzungen oder Änderungen des Testaments müssen wiederum in der Form des § 2247 Abs. 1 BGB erfolgen, also eigenhändig; sie müssen dann nicht gesondert unterschrieben werden, wenn die ursprüngliche Unterschrift die Ergänzungen oder Änderungen mit abdeckt. Darüber lässt sich aber vortrefflich streiten.

Wenn sich Nachträge auf einem gesonderten Blatt ohne feste Verbindung mit dem Ursprungstestament befinden, sind diese, wenn sie nicht erneut unterschrieben sind, unwirksam.


Die vorgenannten Beispiele sind sämtlich aus der Rechtsprechung. Dort wo es Rechtsprechung gibt, wurde gestritten! Daher der nachfolgende 

Praxistipp:

Unterschreiben Sie mit vollem Namen am Ende des Textes, so wie Sie üblicherweise unterschreiben.

Nummerieren Sie sämtliche Seiten und ergänzen Sie diese am Seitenende mit Datum und Namenskürzel oder Initialen und verbinden Sie die Seiten (z.B. Tacker).

Ergänzungen, Streichungen oder Änderungen am Rand oder im Text des Testamentes sollten Sie mit Datum versehen und ebenfalls unterschreiben, zumindest mit Namenskürzel oder Initialen.