Als Ergänzung zur Reiserücktrittsversicherung werden auch Policen für den Fall des Abbruchs einer Reise aus wichtigem Grund angeboten. Worauf ist hierbei zu achten?

Reiseabbruchversicherung: Das Kleingedruckte

Der Reiseveranstalter oder in besonderen Fällen das vermittelnde Reisebüro sind nur zum Hinweis auf eine Reiserücktrittskosten- und eine Rücktransportkostenversicherung, nicht aber auf eine Reiseabbruchversicherung verpflichtet.

Sie müssen also gezielt nachfragen, denn es handelt sich um verschiedene Versicherungsarten.

Die Reiseabbruchversicherung zahlt, wenn eine bereits begonnene Reise aus wichtigem Grund abgebrochen werden muss. Streitig sind hierbei zumeist Grund und Höhe der Erstattung.


Was fällt unter den Begriff "wichtiger Grund"?

Ein wichtiger Grund können unterschiedliche Ereignisse sein. Hierzu zählen, je nach Versicherungsgesellschaft:

  1. unerwartete schwere Erkrankung;

  2. unerwartete Verschlechterung einer Erkrankung;

  3. schwere Unfallverletzung;

  4. Tod;

  5. Schwangerschaft;

  6. Bruch von Prothesen;

  7. Lockerung von implantierten Gelenken.


Die -unverbindlichen- Muster-Versicherungsbedingungen für die Reiseabbruchversicherung 2008/2018 (mit Erläuterungen) des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) finden Sie hier.

Beachte: Bei Erkrankung einer Betreu­ungs­person, die sonst der Reisende versorgt, greift zwar ebenfalls der Versicherungsschutz, aber der Nachweis ist durch ein zeitnahes ärztliches Attest zu erbringen.

Ein Attest, das erst drei Tage nach Eintritt der Erkrankung erstellt wurde, kann als Beweis schon nicht mehr ausreichend sein (Amtsgericht München, Urteil vom 20.11.2011, Az.: 241 C11924/11).

Der Fall: Die Mutter des Reisenden war pflegebedürftig und wurde von ihm betreut. Für die Zeit des Urlaubs pflegte eine Bekannte die Mutter. Drei Tage vor Ende der Reise musste die Familie die Reise abbrechen und zurückfliegen, weil die ersatzweise pflegende Bekannte erkrankte. 


Was wird erstattet?

Grundsätzliches

Ein Versicherungsnehmer, welcher eine Reiseabbruchversicherung abgeschlossen hat, darf grundsätzlich davon ausgehen, dass ihm die zusätzlichen Kosten einer vorzeitigen Beendigung der Reise ausgeglichen werden und er auch eine Entschädigung für infolge des Reiseabbruches nicht in Anspruch genommene Reiseleistungen erhält.

Eine Entschädigung erfolgt also grundsätzlich nur insoweit, wie die gebuchten Leistungen nicht in Anspruch genommen wurden.

Aber wie sieht es bei teilweiser Inanspruchnahme aus?

Im Fall des Landgerichts Düsseldorf (Urteil vom 25.07.2012, Az.: 11 O 40/12) ging es um ebendiese Frage bei einer Schiffsreise, die bereits angetreten worden war:

Aus der Sicht eines verständigen Versicherungsnehmers handele es sich bei einer Schiffsreise um nach den einzelnen Reisetagen abgrenzbare Einzelleistungen. Für jeden nicht in Anspruch genommen Reisetag sei daher der Reisepreis anteilig zu erstatten, so das Gericht.

Wie sieht es aber mit dem Transferflug zum Schiffsanleger aus? Der Flug wurde ja erbracht.

Man könnte argumentieren, dass in diesem Fall eine volle Erstattung zu erfolgen habe, denn die Leistung, die teilweise erbracht wurde, hätte bei einem Abbruch keinen Nutzen mehr. 

Eine solche Sichtweise lässt sich aber mit dem Sinn und Zweck der gesetzlichen Regelungen nicht begründen: Der Reisende soll nur davor abgesichert werden, dass er etwas bezahlt, was er nicht bekommen hat.

Sind aber Leistungen teilweise erbracht worden, realisiert sich dieses Risiko nicht.

Zudem ist es schwierig festzustellen, ab wann eine Leistung nutzlos ist; wie sieht es etwa bei einer zehntägigen Reise im Falle eines Abbruchs nach der Hälfte der Zeit aus?

Höhe der Leistungen

Die Bestimmung der Höhe ist unproblematisch bei gebuchten Einzelleistungen, wie etwa Flug und Hotel; problematisch wird es dann, wenn ein Pauschalpreis entrichtet wurde. In diesem Fall wird nach dem Gesetz eine Quote ausgehend vom Pauschalpreis gebildet.

Fallen einzelne Teile einer Reise aus (z.B. Besichtigungstouren am Urlaubsort), kann darauf abgestellt werden, was eine Einzelbuchung gekostet hätte. 


Rückbeförderung und Unterbringung

Der Reisende kann vom Versicherer die Rückbeförderung und die Beherbergung bis zum Zeitpunkt der Rückbeförderung verlangen.

Kommt der Versicherer dieser Pflicht trotz Fristsetzung nicht nach, steht dem Reisenden ein Anspruch auf Erstattung der notwendigen Auslagen zu.

Der Reisende kann dann als Ersatzleistung eine entsprechende Rückbeförderung in Anspruch nehmen.

Zu den Ersatzleistungen gehören auch die Kosten von Umbuchungen von Rückflügen, Transferkosten zwischen Hotel und Flughafen, Mehrkosten für einen erzwungenen längeren Aufenthalt und eine spätere Rückreise sowie z.B. Gebühren für gebuchte, aber nicht mehr in Anspruch genommene Ausflüge.

War eine spezielle Beförderung vereinbart, z.B. Business-Class, muss sich der Reisende nicht auf die Kosten für einen Economy-Flug verweisen lassen. 

Hinsichtlich der Beherbergungskosten kann der Reisende die Kosten für eine Unterkunft entsprechend dem gebuchten Standard ersetzt verlangen.

Ist eine Unterkunft in der gebuchten Art aber nicht mehr zu erhalten, kann er auch eine höhere Kategorie buchen. Der Reisende muss dann aber die Notwendigkeit der Aufwendungen nachweisen.


Wichtig:

Der Reisende muss unverzüglich die Rückreise antreten. "Unverzüglich" bedeutet "ohne schuldhaftes Zögern".

Ist eine Rückbeförderung in der vereinbarten Art nicht in diesem kurzen Zeitfenster zu erlangen, muss er demnach auch einen geringeren Standard hinnehmen.

Er kann also nicht den Aufenthalt einfach um mehrere Tage ohne Not verlängern mit der Begründung, er wolle die gebuchte Art erhalten.

Eine Wartezeit von ein bis zwei Tagen wird ihm aber zuzubilligen sein.


Praxistipp:

Ein Blick in die einschlägigen Versicherungsbedingungen des Versicherers vor Abschluss einer Reiseabbruchversicherung schafft Klarheit, was versichert ist und gibt Ihnen eine Entscheidungshilfe für oder gegen einen Versicherungsabschluss überhaupt bzw. die Wahl der Versicherungsgesellschaft.

Oft wird eine Kostenerstattung für die nicht in Anspruch genommene Restreise, insbesondere Schiffsreise, ausgeschlossen. Diese Klausel wird von manchen Gerichten als wirksam angesehen. In diesem Fall ist der Wert der Reiseabbruchversicherung aber deutlich reduziert, was zu bedenken ist.