Eigenhändige Testamente werden oft ohne Rechtsrat errichtet, neuerdings auch mit google & Co. Die vermeintliche Sicherheit, sie kann trügerisch sein und zu Erbstreitigkeiten führen.

Häufige Fehler beim eigenhändigen Testament

Mit meinem heutigen Beitrag möchte ich Ihnen die typischen Fehler aufzeigen, die bei eigenhändigen Testamenten von Laien gemacht werden; damit Ihr Testament nicht vor Gericht landet.

Ich beschränke mich dabei auf das Grundsätzliche, ohne die gesetzlichen Ausnahmen; das würde diesen Beitrag sprengen.


Unklare Formulierungen

Der Klassiker ist hierbei die Verwechslung der Begriffe "vererben" und "vermachen".

Es gibt im Erbrecht keine Einzelrechtsnachfolge. Der Erbe wird Eigentümer des ganzen Nachlasses mit allem, was dazu gehört, Schulden inklusive.

Soll ein einzelner Gegenstand aus dem Nachlass "herausgelöst" und jemandem zugewandt werden, dann wird er "vermacht".

Ist der vermachte Gegenstand zum Zeitpunkt des Erbfalls nicht mehr im Nachlass, wird das Vermächtnis unwirksam.


"Nacherbe"

Ein Laie versteht unter diesem Begriff, das zeigt mir die tägliche Praxis, häufig den Erben, der nach dem Versterben des zuerst benannten Erben Erbe werden soll.

Wenn Ehegatten sind wechselseitig zu Alleinerben einsetzen und die gemeinschaftlichen Kinder erst dann Erben werden sollen, wenn beide Eltern verstorben sind, dann werden sie nicht "Nacherben" sondern "Schlusserben".

Was ist verkürzt der Unterschied:

Beim "Nacherben" gibt es immer einen "Vorerben", der nur Erbe auf Zeit wird und daher Verfügungsbeschränkungen unterliegt. Beim Schlusserben gibt es vordem den Alleinerben, der keinen Verfügungsbeschränkungen bis zum Schlusserbfall unterliegt.


Regelungslücken

Ersatzerbe

Im Erbrecht ist es wie beim Mannschaftssport: Fällt ein Spieler aus, so muss ein Ersatzspieler aufs Feld.

Stellen Sie sich vor, Sie haben jemanden zum (Allein-)erben bestimmt und dieser verstirbt vor Ihnen.

Jetzt denken manche von Ihnen, dann ändere ich eben das Testament. Und wenn Sie zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr geschäftsfähig sind und kein neues Testament mehr errichten können? Dann tritt gesetzliche Erbfolge ein.

Daher wichtig:

Bestimmen Sie einen "Ersatzerben"; das Gleiche gilt beim Vermächtnis: Bestimmen Sie einen "Ersatzvermächtnisnehmer" oder ausdrücklich niemanden; dann fällt im letztgenannten Fall das Vermächtnis in den Nachlass und damit an den Erben.

Vorempfänge

Haben Eltern zu Lebzeiten einem Kind mehr zugewandt als den anderen Kindern, ohne bei der Zuwendung zu bestimmen, wie diese Zuwendung auszugleichen ist, so kann dies im Testament über ein Vermächtnis erfolgen, mit dem dann nur das bereits lebzeitig begünstigte Kind beschwert wird.

Enterbung

Ehepartner, Kinder (bei deren Wegfall die Enkelkinder oder die eigenen Eltern) haben Pflichtteilsrechte; das ist immer eine Geldanspruch.

Er kann dazu führen, dass der einzige Vermögensgegenstand, das Familienheim, zwangsweise zur Erfüllung des Pflichtteilsanspruchs verkauft werden muss.

Zudem gibt es hier häufig Streit über den Wert des Gegenstands und macht ein -kostspieliges- Sachverständigengutachten notwendig. Gestritten wird dann oftmals auch über z.B. lebzeitige Schenkungen und deren Zurechnung bei der Ermittlung der Höhe des Pflichtteilsanspruchs.

Besser ist es in diesem Fall, den Pflichtteilsberechtigten in Höhe seiner Pflichtteilsquote zum Miterben einzusetzen. Das ist dann zwar eine Teilenterbung, es kann aber eine aufwendige Wertermittlung des fiktiven Nachlasses (unter Einrechnung von den o.g. lebzeitigen Schenkungen) unterbleiben.

Ehegattenerbrecht bei Trennung 

Durch die Trennung von Tisch und Bett entfällt nicht das Erbrecht.

Das Ehegattenerbrecht entfällt nur dann, wenn die Ehe vor dem Tode des Erblassers rechtskräftig geschieden oder aufgehoben worden ist oder die materiellen Scheidungsvoraussetzungen beim Erbfall schon vorlagen, insbesondere das Scheitern der Ehe. Über die letztgenannte Voraussetzung wird häufig gestritten: Wann ist die Ehe gescheitert?

Für den Fall der Trennung sollte daher eine Bestimmung im Testament enthalten sein, die in diesem Fall die -bedingte- Enterbung vorsieht. Damit wird der getrennt Lebende dann auf den Pflichtteil gesetzt.

Soll auch der Pflichtteil ausgeschlossen werden, dann ist ein -beurkundungspflichtiger- Pflichtteilsverzichtsvertrag notwendig.

Vorausvermächtnis oder Teilungsanordnung

Wenn ein Erbe über seine Erbquote hinaus einen Vermächtnisgegenstand erhalten soll, spricht man von "Vorausvermächtnis". Das Vorausvermächtnis erhöht also unter dem Strich letztlich die Erbquote des Begünstigten.

Soll sich aber an den Erbquoten nichts ändern, der Begünstigte mithin sich den Wert des Gegenstandes auf seine Erbquote anrechnen lassen müssen, so ist das richtige Gestaltungsinstrument die Teilungsanordnung.

Hier muss man aber beachten, dass der Restnachlass (z.B. das Geldvermögen) noch zum Ausgleich der Erbquoten der Miterben ausreichen muss. Denn aus seinem Privatvermögen muss der Begünstigte nichts "zuschießen".


Praxistipp:

Jeder, der die Erbfolge selbst regelt, sollte wissen, dass Anordnungen zu einer erhöhten Fehlergefahr führen. Wer keinen fachkundigen Rat vor Ort einholen will, weil er vielleicht die Kosten scheut, sollte sich dann zumindest einer professionellen Vorlage bedienen.

Testamentsvorlagen für verschiedene familiäre Ausgangslagen, die meine heutigen Ausführungen umsetzen, finden Sie unter dem Menüpunkt "Formulare".