Verunfallen Angehörige bei der Pflege, gibt es einiges zu beachten. Der Beitrag gibt Ihnen das Wichtigste an die Hand.

Unfall eines Angehörigen bei der Pflege

Wer ist gesetzlich unfallversichert?

Hat ein pflegender Angehöriger bei der Pflege einen Unfall, kann die gesetzliche Unfallversicherung ebenfalls eintrittspflichtig sein (§ 44 SGB XI).

Auch der Weg zur pflegenden Person und zurück ist unfallversichert.

Wenn Großeltern auf ihre Enkel aufpassen, greift die gesetzliche Unfallversicherung hingegen nicht.

Das hat das Bundessozialgericht (BSG) mit Urteil vom 19.06.2018 entschieden (Az.: B 2 U 2/17 R).


Welche Pflegepersonen sind versichert?

Versichert sind nur Personen, die nicht erwerbsmäßig pflegen. Das können auch Nachbarn oder Freunde sein.

Der zu Pflegende muss mindestens in den Pflegegrad 2 eingestuft sein (erhebliche Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten) und darf nicht im Pflegeheim leben, wohl aber in anderen Wohnformen oder bei Familienmitgliedern. 

Die Pflege muss wöchentlich wenigstens zehn Stunden verteilt auf regelmäßig mindestens zwei Tage erbracht werden.


Wann ist die Pflegeperson versichert?

Der Unfall muss sich bei pflegerischen Maßnahmen oder der Haushaltsführung ereignet haben (siehe Pflegegutachten; z.B. beim Waschen, Aufstehen, Einkauf).

Versichert ist aber nicht nur die Pflege an sich und der Weg dorthin sowie die Haushaltsführung.

Auch das Abheben von Bargeld vom Konto des Bedürftigen ist umfasst, so entschied das Bayerische Landessozialgericht (LSG) mit Urteil vom 27.03.2013 (Az.: L 2 U 516/11).


Praxistipp:

Suchen Sie nach Möglichkeit nach dem Unfall den zuständigen Durchgangsarzt auf.

Ein Durchgangsarzt ist ein Arzt, der eine Zulassung zur berufsgenossenschaftlichen Heilbehandlung besitzt und daher von den Berufsgenossenschaften bestellt wird.

Wenn Sie zum Hausarzt oder in ein Krankenhaus gehen, teilen Sie dort direkt mit, dass der Unfall geschah, als eine Person gepflegt wurde (Tätigkeit genau beschreiben). 

Wichtig: Unfälle, die eine ärztliche Behandlung nach sich ziehen, müssen innerhalb von drei Tagen mit der gesetzlich vorgeschriebenen Unfallanzeige angezeigt werden.

Setzen Sie sich daher mit dem für Sie zuständigen Träger der gesetzlichen Unfallversicherung in Verbindung – das ist der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand der Gemeinde, in dessen Bereich der Pflegehaushalt liegt. Name und Anschrift erfahren Sie auf dem Rathaus oder über das Internet.

Bei den meisten Unfallversicherungsträgern können Sie auf deren Homepage das Meldeformular herunterladen und am Desktop ausfüllen.