Was versteht man unter Witwensplitting (auch Verwitwetensplitting genannt) und wann kommt dieses zur Anwendung?

Witwensplitting

Grundsätzliches zur steuerlichen Veranlagung

Ehegatten haben die Möglichkeit, sich zwischen der Einzelveranlagung und der Zusammenveranlagung zu entscheiden. Die Entscheidung erfolgt durch Wahl im entsprechenden Hauptformular.

Weitere Voraussetzungen für eine Zusammenveranlagung sind:

  1. Die Ehegatten müssen unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sein.
     
  2. Sie dürfen nicht dauernd getrennt leben, was sich nach dem Gesamtbild der Verhältnisse richtet (Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft als vor allem räumliche und persönliche Gemeinschaft der Ehegatten und gemeinsamem Wirtschaften).
     
  3. Die vorgenannten Voraussetzungen müssen zum 1.1. des Jahres vorgelegen haben oder im Laufe des Jahres eingetreten sein.

Rechtsfolge

Bei der Zusammenveranlagung werden die Einkünfte der Ehegatten getrennt ermittelt und anschließend addiert und beide Ehegatten wie ein Steuerpflichtiger behandelt.

Bei Ehegatten kommt dabei das sogenannte Splitting-Verfahren zur Anwendung. Bei diesem Verfahren beträgt die tarifliche Einkommensteuer das Zweifache des Steuerbetrags, der sich für die Hälfte ihres gemeinsam zu versteuernden Einkommens nach dem Grundtarif ergibt.

Beispiel

Das zu versteuernde Einkommen der Ehegatten beträgt im Kalenderjahr 2020 100.000 EUR.

Aufgrund des Antrags auf Zusammenveranlagung kommt das Splitting-Verfahren zur Anwendung. Dabei berechnet sich die tarifliche Einkommensteuer, in dem das zu versteuernde Einkommen von 100.000 EUR halbiert wird = 50.000 EUR.

Die tarifliche ermittelte Einkommensteuer (ermittelt nach der Grundtabelle 2020) wird dann verdoppelt und ergibt die Einkommensteuer.

Witwensplitting

Verstirbt ein Ehegatte, dann gilt Folgendes:

Für das Todesjahr besteht weiterhin die Möglichkeit, zwischen der Einzelveranlagung und der Zusammenveranlagung zu wählen. An die Stelle des Verstorbenen treten dann dessen Erben.

Sollten jedoch die zur Wahl erforderlichen Erklärungen nicht abgegeben werden, wird von Gesetzes wegen unterstellt, dass eine Zusammenveranlagung gewählt wird, wenn der Erbe Kenntnis von seiner Erbenstellung und den steuerlichen Vorgängen des Erblassers hat. Bis zur Ermittlung des Erben ist grundsätzlich einzeln zu veranlagen.

Für das Jahr nach dem Tod des Ehegatten gibt es kein Wahlrecht mehr zwischen Zusammenveranlagung oder Einzelveranlagung.

Es kommt das sogenannte Witwensplitting zur Anwendung. Dies bedeutet, dass das Splittingverfahren greift. Voraussetzung ist aber, dass der Steuerpflichtige und sein verstorbener Ehegatte im Zeitpunkt seines Todes die Voraussetzungen -wie zu Lebzeiten- erfüllt haben.

Ab dem zweiten Jahr nach dem Tod des Ehegatten findet nur noch der Grundtarif Anwendung.

Eingetragene Lebenspartner

Für eingetragene Lebenspartner finden die dargestellten Regelungen gleichermaßen Anwendung. Dies ergibt sich aus § 2 Abs. 8 Einkommensteuergesetz (EStG).

Wiederverheiratung

Heiratet die/der Verwitwete im Jahr des Todes des bisherigen Partners oder im Folgejahr erneut, ist eine Anwendung des Ehegattensplittings nur möglich, wenn das neue Ehepaar ebenfalls zusammenveranlagt wird.

Mit dem Hochzeitstermin endet in jedem Fall das Witwensplitting.