Die Rubrik „Erbrecht-Grundlagen“ erklärt Ihnen die wesentlichen erbrechtlichen Begriffe. Was bedeutet es, Erbe zu sein. Wie wichtig ist ein Ersatzerbe. Was ist der Unterschied zwischen Erbe und Vermächtnisnehmer. Welche Bedeutung hat der Ehegattenerbteil. Wer hat Pflichtteilsansprüche und kann man diese reduzieren. Was ist beim digitalen Nachlass zu beachten.

  • Das ABC der erbrechtlichen Begriffe
  • Wie wird nach dem Gesetz vererbt
  • Wie wichtig ist ein Testament oder Erbvertrag
  • Was geschieht mit digitalen Daten (PC oder Web)

Leseprobe: Erbrecht Grundlagen

Erbrechtliche Begriffe

Um sich im Erbrecht zurecht zu finden, ist es zunächst wichtig, sich mit den grundlegenden erbrechtlichen Begriffen vertraut zu machen. Die Begriffe werden bei den einzelnen Testamentsarten vertieft, damit sie anschaulich werden.

 

Erbe

Häufig findet sich bei sog. Laientestamenten die Formulierung: „Mein Haus vererbe ich x“, „meine Möbel vererbe ich y“ usw. Es werden also einzelne Gegenstände einer bestimmten Person zugewiesen. Das macht die Person aber noch nicht zum Erben!

Es gibt keinen erbenlosen Nachlass und dies aus gutem Grund:

Der Nachlass ist, bildlich gesprochen, wie ein Haus, in dem sich schöne und weniger schöne Gegenstände befinden; es gibt alte und neue Möbel, Schmuck, ein Sparbuch und es gibt Rechnungen, die noch nicht bezahlt sind.

Alles zusammen genommen handelt es sich dabei um Vermögensgegenstände: Sachen, Forderungen - z.B. gegen Banken aus einem Wertpapierdepot - sowie auf der anderen Seite Verbindlichkeiten, z.B. offene Rechnungen.

Die vorgenannten Gegenstände, genauer die Rechte und Pflichten daran, gehen automatisch mit dem Erbfall auf den Erben über. Der Jurist nennt dies auch „Gesamtrechtsnachfolge“ oder „Universalsukzession“. Sie ziehen also, um das eingangs gewählte Bild vom Haus aufzugreifen, in das Haus des Erblassers rechtlich gesehen als neuer Eigentümer ein.

Wer Eigentümer und damit im rechtlichen Sinne verantwortlich für all die aufgezählten Gegenstände werden soll, bestimmen Sie, indem Sie einen oder mehrere Erben benennen und dies nach deren jeweiligem Anteilsverhältnis. Diese Bestimmung ist höchstpersönlich und kann einem Dritten nicht überlassen werden. Sie können also nicht in Ihr Testament schreiben, dass eine bestimmte Person bestimmen soll, wer Ihr Erbe wird, auch nicht ein ggf. eingesetzter Testamentsvollstrecker.

 

Beispiel:

 „Zu meinem/meinen Erben bestimme ich xyz, untereinander jeweils zu bspw. gleichen Teilen (oder jeweils zu ¼, ⅓ usw.).

Geben Sie Bruchteile an und keine Prozentsätze, da die gesetzlichen Bestimmungen auch durchgängig Bruchteile enthalten.

Erbe kann jede natürliche oder juristische Person des privaten/öffentlichen Rechts werden, demnach ein Mensch, eine Gesellschaft ( auch ein Verein ) oder bspw. eine Gemeinde, die Kirche oder auch eine Universität.

Auch ein ungeborenes Kind kann Erbe werden, wenn es zum Zeitpunkt des Erbfalles bereits gezeugt war und es später lebend geboren wird. Dann wird es rechtlich so gestellt, als war es zum Zeitpunkt des Erbfalls schon geboren.

Sie können auch in Form eines sog. Negativtestamentes nur bestimmen, wer alles nicht Erbe werden soll und dabei die gesamte Verwandtschaft ausschließen, aber niemanden positiv zum Erben einsetzen! Dann wird im Zweifel der Staat Erbe.

Wenn Sie ein oder mehrere Erben bestimmen, sollten Sie auch daran denken, was passieren soll, wenn ein Erbe vor oder nach dem Erbfall wegfällt.

Nehmen wir an, ein Erbe verstirbt vor Ihnen, worauf Sie aber nicht mehr durch Testamentsänderung reagieren können, weil Sie nicht mehr -voll- geschäftsfähig sind. Oder man denke an den Fall, dass ein Erbe das Erbe ausschlägt, aus welchen Gründen auch immer. Das kann durchaus auch steuerrechtliche Gründe haben ( Freibeträge ).

Sie sollten daher für Ihren Erben auch vorsichtshalber einen Ersatzerben bestimmen; sonst tritt bei Ausfall des Erben gesetzliche Erbfolge ein.

Findet sich kein Erbe, so ist letzter Erbe immer der Staat, da es keinen erbenlosen Nachlass gibt und auch nicht geben kann; denn schließlich muss sich jemand um die Abwicklung kümmern, insbesondere auch um noch offene Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen.

 

Erbengemeinschaft

Erbengemeinschaften entstehen von Gesetzes wegen immer dann, wenn der Erblasser mehrere gesetzliche Erben hinterlässt oder testamentarisch mehr als eine Person zu seinen Erben bestimmt.

Die Erbengemeinschaft ist eine sog. Gesamthandsgemeinschaft, ebenso wie eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts ( GbR ).

Das bedeutet:

Das Eigentum an den Gegenständen des Nachlasses geht zunächst qua Gesetz gemeinschaftlich auf alle Erben über. Jedem gehört mithin alles zur "gesamten Hand".

Anders geht es nicht, denn wie soll ein Haus mit einer Vielzahl von Vermögensgegenständen von unterschiedlichem Wert real geteilt werden?

Dazu bedarf es einer Auseinandersetzung des Nachlasses. Bevor diese erfolgt, können die Erben nur gemeinschaftlich Gegenstände aus dem Nachlass veräußern, weil im ungeteilten Stadium eben allen alles gehört.

Da demnach die Erbengemeinschaft auseinanderzusetzen ist, um eine reale Teilung herbeizuführen und die Vorstellungen hierüber oftmals sehr unterschiedlich sind, liegt es auf der Hand, dass die Erbengemeinschaft streitträchtig ist.