Die Rubrik „Testamente und Erbvertrag“ informiert Sie über die verschiedenen Arten von Testamenten und deren Inhalt, entsprechend der unterschiedlichen Lebenssituationen; denn es macht einen Unterschied, ob jemand alleinstehend, verheiratet oder geschieden ist, ob er Kinder hat oder nicht. Hinzu kommen spezielle Fragestellungen, etwa wenn ein Kind behindert oder verschuldet ist.    

  • Inhalt eines Einzeltestamentes, Ehegattentestamentes
  • Inhalt eines Geschiedenentestamentes
  • Inhalt eines Behinderten- oder Bedürftigentestamentes
  • Inhalt eines Erbvertrages

Leseprobe: Testamente und Erbvertrag

Testamentsformen

Die beiden wichtigsten Testamentsformen in Deutschland ( abgesehen von den Nottestamenten ) sind:

  • das privatschriftliche oder eigenhändige Testament
  • das öffentliche Testament

Es besteht also Formzwang mit der Folge, dass ein Testament ohne Wahrung einer der beiden zulässigen Formen nichtig ist ( z.B. ein computergeschriebenes Testament ).

 

Warum diese Formstrenge?

Zum einen soll der Erblasser sich darüber klar werden, was er will und dies auch deutlich zum Ausdruck bringen. Die Eigenhändigkeit eines Testaments soll zudem eine erhöhte Sicherheit vor Verfälschungen bieten.

 

Das eigenhändige Testament

Das privatschriftliche Testament wird zumeist eigenhändiges Testament genannt, weil das Testament von A-Z mit der Hand geschrieben- und auch eigenhändig unterschrieben sein muss, um formwirksam zu sein.

Welches Papier Sie dabei verwenden ist gleichgültig; das kann auch ein Briefumschlag sein, auf den Inhalt kommt es an.

Die Unterschrift soll den Vornamen und den Familiennamen des Erblassers enthalten, ebenso sollen Zeit und Ort angegeben werden; zwingend ist das alles nicht, aber dringend zu empfehlen. 

Die am Ort der Errichtung des Testamentes gültige Form ist bedeutsam bei Testamenten mit Auslandsberührung.

Nach Art. 1 Abs. 1a des Haager Übereinkommens bzw. gemäß Art. 26 Abs.1 Nr. 2 EGBGB ist eine letztwillige Verfügung auch dann gültig, wenn sie den Formvorschriften des Rechts des Ortes entspricht, an dem der Erblasser letztwillig verfügt hat.

Nehmen wir an, der Erblasser hätte in den USA sein Testament errichtet, aber eben nicht handschriftlich, sondern computergeschrieben. Er verstirbt in Deutschland.

In den Staaten der USA ist das sog. Zwei-Zeugen-Testament als ordentliche Testamentsform vorgesehen; das Testament bedarf danach der Schriftform ( also zulässig: computergeschrieben ), muss vom Testator, bzw. einer anderen Person in seinem Namen unterschrieben werden und anschließend müssen zwei geschäftsfähige Personen die Unterschrift persönlich wahrnehmen und anschließend unter einem Testiervermerk unterschreiben.

Erfüllt also das Testament eines Deutschen, errichtet in New York, die vorbeschriebenen Vorgaben am Errichtungsort, so ist es gültig, auch wenn es nicht eigenhändig geschrieben wurde.

Das Datum ist deshalb bedeutsam, weil durch die Errichtung eines Testaments sämtliche früheren Verfügungen des Erblassers widerrufen werden, die zum bisherigen letzten Willen in Widerspruch stehen.

Um hier Unklarheiten zu vermeiden, sollte jedes Testament den ausdrücklichen Hinweis enthalten, dass alle früheren Verfügungen von Todes wegen widerrufen werden ( „vorsorglich widerrufe ich alle früheren Verfügungen von Todes wegen“ ).

Nicht selten kommt es vor, dass ein Testament nicht mehr auffindbar- oder das Original verschwunden-, aber eine Kopie noch vorhanden ist.

 

Gibt es hier eine Lösung?

Grundsätzlich ist zum Nachweis des testamentarischen Erbrechts die Urschrift der Urkunde vorzulegen. Das ergibt sich aus dem seit dem 17.08.2015 neuen § 352 Abs. 3 FamFG ( Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit ), vormals inhaltsgleich in

§ 2356 Abs. 1 BGB geregelt.

Es ist jedoch ständige Rechtsprechung, dass die Wirksamkeit eines Testaments nicht dadurch berührt wird, dass dieses ohne Willen und Zutun des Erblassers vernichtet wurde, verlorengegangen oder sonst nicht mehr auffindbar ist ( BayObLG, Beschluss v. 01.04.2004 - Az.: 1Z BR 13/04 ).

Allerdings muss derjenige, der sich auf ein solches Testament beruft, mit allen zulässigen Beweismitteln ( z.B. Zeugen ) den vollen Beweis für die behauptete Tatsache erbringen. An den Nachweis sind also strenge Anforderungen zu stellen.

 

Bei dem Vorliegen einer Kopie gilt sinngemäß das Gleiche:

OLG Köln, Beschluss v. 30.04.1993 - Az.: 2 Wx 56-57/92

Aus den Gründen: „Wenn das Original eines Testamentes nicht mehr vorhanden ist, sondern der Nachweis des Erbrechts auf eine Kopie des Testaments gestützt wird, bedarf es schon deshalb besonders sorgfältiger Ermittlungen, weil angesichts der Fortschritte der Kopiertechnik besondere Vorsicht bei dem Schluß vom Inhalt der Kopie auf den Inhalt des Originals angezeigt ist. Zu diesen Feststellungen ist eine Vernehmung der Zeugen durch das NachlaßG jedenfalls dann unerläßlich, wenn die Echtheit und die Übereinstimmung mit einem Original in Zweifel gezogen wird.“